Acht mächtige Kaltblüter der Spatenbrauerei gehören zu den heimlichen Stars des Oktoberfests. Auf dem Zengerlehof im Tölzer Land werden sie gepflegt und trainiert – mit viel Erfahrung, großer Hingabe und einer Familientradition, die eng mit der Wiesn verbunden ist.
Lange kennen sie sich noch nicht, doch Sina und Schorsch sind schon ein eingespieltes Team. Der jungen Frau ist die drückende Julihitze trotz Mönchskutte nicht anzumerken, mit Hilfe von Marinus Zengerle schwingt sie ihren zierlichen Körper auf den Rücken des massiven Kaltblüters. Scheinbar mühelos sitzt die 27-Jährige auf, Marinus Zengerle führt das ungleiche Paar eine Runde um den Veiglberg, Schorsch schaukelt seine Reiterin sanft hin und her. Probesitzen für das Oktoberfest, in einer Idylle wie aus dem Bilderbuch: In Neufahrn bei Egling, 30 Kilometer südlich von München liegt zwischen Wiesen, Feldern und Wäldchen der Zengerlehof. Hier lebt die Familie Zengerle mit elf Pferden, acht davon ziehen den Wagen der Spatenbrauerei – während der Wiesn und auch unterm Jahr, wenn die Rösser für eine Kutschfahrt gebucht sind. Seit 2003 versorgt und trainiert Wolfgang Zengerle, 62, die Tiere im Auftrag von Spaten. Sohn Marinus war damals zwölf und ist nach und nach ins Geschäft eingestiegen.
Sina Hochreiter ist seit 2026 offiziell als Münchner Kindl im Amt. Auf dem Rücken von Schorsch wird sie den Einzug der Brauereien und Wiesnwirte anführen. „Toller geht es eigentlich nicht. Und höher hinaus sowieso nicht“, sagt die Münchnerin, deren Familie die Haxnbraterei auf dem Viktualienmarkt und dem Oktoberfest betreibt. Wolfgang Zengerle ist Sattlermeister, ehemaliger Raumausstatter, Pferdeliebhaber. „Meine ersten Rösser bekam ich mit vierzehn“, sagt er. Lange hielt er Haflinger, zu den Oktoberfestpferden kam er durch Zufall: Der ehemalige Gespannführer von Spaten hatte ihm das Fahren mit der Kutsche beigebracht. Als der in den Ruhestand ging, übernahm Zengerle. „Ohne die Gespanne wär das Oktoberfest nichts“, sagt Zengerle. „Die Pferde gehören zur Wiesn wie die Hendl und das Bier.“ Als er anfing, zogen den Wagen noch Brabanter, mittlerweile hat Zengerle auf die französische Rasse Percheron umgestellt, zu der auch der neunjährige Schorsch gehört. Die Rasse sei robuster und länger einsatzfähig, sagt Zengerle. Ihre Namen bekommen die Spaten-Pferde traditionell von ehemaligen Brauereichefs. Neben Schorsch ziehen auch Max und Sandro den Wagen. Sie alle sind Wallache, kastrierte Hengste, damit sie im Gespann gelassener arbeiten. Für den harten Job, den die Tiere machen, ist körperliche Fitness wichtig. Während der Wiesn sind sie sechzehn Tage lang von 11 bis 15 Uhr im Einsatz. Der Arbeitstag beginnt für die Zengerles damit, Wagen und Tiere zu schmücken und anzuspannen. Die ganze Prozedur dauert allein schon eine Stunde.
Wie leben die Wiesn-Pferde während des Oktoberfests? Warum reist ihr eigenes Heu mit nach München – und was haben ihre Festtagsgeschirre mit Kronjuwelen gemeinsam? Die ganze Reportage lesen Sie im Oktoberfest Magazin 2026 – jetzt im Handel oder direkt hier bestellen.

Ein Fall für zwei: Als Münchner Kindl wird Sina Hochreiter auf Wallach Schorsch den Einzug der Brauereien und Wiesnwirte anführen. © Foto: Isabella Pötter

Wahre Berufung: Seit Jahrzehnten arbeitet Wolfgang Zengerle mit Pferden. Seit 2003 pflegt und trainiert er die Kaltblüter der Spatenbrauerei. © Foto: Isabella Pötter

Gutes Gespann: Wallach Sandro und Pensionär Hans stehen am liebsten gemeinsam auf dem Paddock des Zengerlehofs. © Foto: Isabella Pötter

Für den großen Auftritt: Das reich verzierte Festgeschirr gehört zur jahrhundertealten Tradition der Brauereigespanne auf dem Oktoberfest. © Foto: Stefan Pabst

Auf dem Zengerlehof im Tölzer Land werden die Kaltblüter der Spatenbrauerei auf ihre Einsätze vorbereitet. Marinus Zengerle ist mit den Pferden groß geworden. © Foto: Stefan Pabst