Immer die Nase unten lassen, sonst stolpert man

Manfred Schauer im Kostüm des Schichtls mit Zylinder und OrdenSeit 41 Jahren das Gesicht des Schichtls: Manfred Schauer führt die Tradition des legendären Wiesn-Varietés mit Humor und großer Begeisterung fort. © Foto: Stefan Pabst

Manfred Schauer ist das Gesicht des Schichtls auf der Wiesn, jetzt wurde sein Varieté-Theater in das Bayerische Landesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Im Interview erzählt er von den Strapazen des Oktoberfests und der Freude am Tun.

Herr Schauer, herzlichen Glückwunsch! Ihr Theater wurde vor Kurzem als Kulturerbe ins Landesverzeichnis aufgenommen. Was bedeutet Ihnen diese Ehrung?
Sehr viel. Lustigerweise kam die Idee gar nicht über den Schichtl, sondern über einen anderen Job von mir. Seit Ende der Achtzigerjahre veranstalte ich Floßfahrten. Vor ein paar Jahren las ich auf dem Briefpapier des Verbands: Die Flößerei ist Immaterielles Kulturerbe. Da dachte ich mir: Das probieren wir mit dem Schichtl auch.

Und es hat geklappt.
Das habe ich meinem Mitarbeiter Johannes zu verdanken. Er hat die Sisyphusarbeit übernommen. Ich sage immer: Ich hab‘s gemacht und er hat’s getan. Im März kam der Bescheid, im Juni die feierliche Übergabe in der Residenz. Der Minister für Wirtschaft, Finanzen und Kultur, Albert Füracker, hat uns dieses besondere Dokument überantwortet.

Warum hat der Schichtl diese Auszeichnung verdient?
Die klassische Schaustellerei stirbt aus – mehr oder weniger. Auf den Volksfesten wird es immer schneller, höher, weiter, bunter. Das geht meist nur mit Technik und teuren Maschinen. Ich glaube, als man in den Sechzigerjahren zum Mond flog, hatte man ähnliche Geräte wie heute auf der Wiesn, bloß dass man sie jetzt für acht Euro selbst steuern kann. Bei uns stehen noch immer Menschen auf der Bühne. Und das macht den Unterschied.

Wie sind Sie damals zum Schichtl gekommen?
Eigentlich aus Versehen, so, wie ich auch zu meinem ersten Beruf gekommen bin. Ich habe eine Lehre als Speditionskaufmann gemacht, obwohl mich das nicht interessiert hat, mich später am Blumengroßmarkt selbstständig gemacht und mit Tannengrün gehandelt. 1983 habe ich zum Spaß ein Theaterstück geschrieben, eine Parodie aufs deutsche Fernsehen, mit dabei war auch Christine Neubauer. Die stand damals zum ersten Mal überhaupt auf einer Bühne. Im Februar 1985 rief mich ein Freund an: „Du, der Schichtl ist zu kaufen.“ Ich kannte ihn nur vom Hörensagen und sagte spontan: „Da mach ich mit.“

Wollten Sie denn ursprünglich Schriftsteller oder Schauspieler werden?
Schreiben tu ich schon immer gern. Vieles fällt mir nachts ein, dann stehe ich auf und schreib‘s auf. Meine Freunde sagen schon lange, ich solle endlich ein Buch schreiben. Den Titel hab ich schon: „Schichtls visionäre Vergangenheit einschließlich morgen.“ Ich mag so Sentenzen, die einen erst zum Schmunzeln bringen und dann zum Nachdenken: „Optimismus ist Spekulation auf die Zukunft.“ Oder: „Die meisten Menschen werden als Original geboren und sterben als Kopie.“

Und was ist mit der Schauspielerei?
Das war eher eine Notlösung. Ich schiele ein bisschen, das war in der Schulzeit schlimm, Kinder können brutal sein. „Schielauge“ haben sie mich genannt. Ich habe früh gelernt, mit Humor dagegenzuhalten und schon als kleiner Bub den Klassenkasper gemacht.

Dann standen Sie beim Schichtl auf der Bühne …
… und hatte keine Ahnung. Die Darsteller waren entsprechend begeistert: Jetzt kommt einer daher, kauft sich ein und weiß nicht Bescheid. Heute habe ich immer noch keine Ahnung, aber jetzt spannt man‘s nicht mehr. Das ist wie in der Politik: Man muss verbergen, was man nicht kann. Und: Immer die Nase unten lassen, sonst stolpert man sehr schnell.

Wie probt man für zwanzig Vorstellungen am Tag? Warum hat „der Schichtl den Schauer übernommen“ – und was hält Manfred Schauer nach mehr als vier Jahrzehnten auf der Wiesn noch immer auf der Bühne? Das ganze Interview lesen Sie im Oktoberfest Magazin 2026. Jetzt im Handel oder direkt hier bestellen.

Noch mehr Wiesn-Tradition: Auch beim Teufelsrad lebt die Tradition weiter: Elisabeth Polaczy und ihre Familie halten das älteste Fahrgeschäft der Wiesn am Laufen.

Historisches Porträt von Schichtl-Gründer Michael August Schichtl mit seiner Taschenuhr

Museumseck: Ein Porträt von Gründer Michael August Schichtl und seine Taschenuhr erinnern an die lange Geschichte des Varieté-Theaters. © Foto: Stefan Pabst


Miniatur-Guillotine als Erinnerungsstück an den berühmten Enthauptungstrick beim Schichtl

Kleines Modell, große Tradition: Die Mini-Guillotine erinnert an den berühmtesten Programmpunkt des Schichtls. © Foto: Stefan Pabst


Schwarzer Zylinder aus dem Fundus von Manfred Schauer und dem Schichtl

Ohne ihn wäre der Auftritt nicht komplett: Zylinder und Frack gehören seit Jahrzehnten zur Bühnenfigur des Schichtls. © Foto: Stefan Pabst


Historische Preistafel des Schichtls mit Eintrittspreisen und Kosten auf dem Oktoberfest

Was vom Eintritt übrig bleibt? Manfred Schauer rechnet auf seiner Preistafel vor, was der Schichtl alles finanzieren muss – von Zeltmiete und Personal bis GEMA, AOK und „weiß der Teufel was“. © Foto: Stefan Pabst