Pitt’s Todeswand: Jagath Pereras steile Karriere auf der Wiesn

Blick von oben in Pitt's Todeswand mit historischem Motorrad auf dem OktoberfestSechs Meter hoch, zwölf Meter breit und seit 1932 eine Institution: In Pitt’s Todeswand jagen Profis auf historischen Motorrädern durch den hölzernen Höllenkessel. © Foto: Stefan Pabst

Seit drei Jahrzehnten fährt Jagath Perera auf historischen Motorrädern senkrechte Holzwände hinauf. Seine Lebensaufgabe fand der gebürtige Sri Lanker durch Zufall: Heute führt er Pitt’s Todeswand, Deutschlands älteste und bekannteste Steilwand-Motorsport-Show – und hat selbst in den größten Schräglagen immer wieder die Kurve bekommen.

Es ist ein eiskalter Morgen im März, als Jagath Perera sich zum ersten Mal in seinem Leben mit dem Motorrad eine Steilwand hinaufschraubt. Über dem Hamburger Dom hängen die Wolken, dicke Regentropfen gehen in Schnee über. Perera ist neu auf dem Volksfest, Motodrom-Besitzer Hugo Dabbert hat den damals 25-Jährigen im Urlaub auf Sri Lanka kennengelernt und engagiert. Dann kracht es. Perera prallt gegen die Holzwand, landet mit einer Gehirnerschütterung in der Notaufnahme von St. Pauli. Seitdem hat sich viel verändert im Leben von Jagath Perera. 2026 feiert er auf der Wiesn sein 30-jähriges Jubiläum als Steilwandfahrer, seit zwanzig Jahren betreibt er dort die Motorsport-Show „Pitt’s Todeswand“.

Dass es soweit kam, „das war purer Zufall“, wie Perera sagt. Aufgewachsen ist er in einem Vorort von Sri Lankas Hauptstadt Colombo. Mit elf Jahren fährt er das Motorrad seines Onkels, interessiert sich für Kfz-Technik. Er besucht die deutsche technische Schule, studiert zwei Jahre Baumaschinentechnik in Japan. Nach seiner Rückkehr geht er zur Schifffahrt, „aber ich war immer verrückt nach Motorrädern“, sagt er. In Sri Lanka durfte man damals nur Motorräder der Klasse 250 Kubik fahren, der Polizei waren 400 Kubik erlaubt. „Ich hatte trotzdem eine stärkere Maschine“, sagt Perera und lacht. „Ich war der Schnellste im Ort.“

Als der Steilwandfahrer Hugo Dabbert bei seinem Besuch auf Sri Lanka im Hotel erzählt, dass er jemanden für seine Show suche, sagt einer der Angestellten: „Ich kenne einen Verrückten in unserem Dorf.“ Perera zeigt Dabbert, was er kann, der ist sofort überzeugt: „Du bist der Richtige für mich.“ In Hamburg bringt Hugo Dabbert ihm bei, wie man die Wand hochfährt. Wie er runterkommt, muss Perera selbst herausfinden. Nach ein paar Versuchen begreift er: Runter vom Gas, Lenker gerade, dann gleitet die Maschine ab. Seitdem, sagt er, fahre er jedes Fahrzeug, dessen Räder sich drehen: Rennkart, Formel-4-Rennwagen, BMW, Twizy, Strandbuggys. „Und ich war der Erste, der in Deutschland eine Harley-Davidson auf der Steilwandbahn fuhr.“

Acht Jahre lang ist Perera als angestellter Fahrer mit Hugos Motodrom auf Tour, 2004 wechselt er zu Pitt’s Todeswand auf dem Oktoberfest. Vier Jahre später gründet er mit der damaligen Chefin Evelyn Wissinger eine GbR und kauft ihr den Betrieb schrittweise ab. „Du kannst fahren“, sagt sie zu ihm, „und reden musst du nicht können, das übernehme ich.“ Geplant war es nicht, dass er zum Unternehmer wird, „das war reiner Zufall“, sagt Perera heute.

Pitt’s Todeswand auf dem Oktoberfest ist Deutschlands älteste und bekannteste Steilwand-Motorsport-Show. Fahrerinnen und Fahrer, ausschließlich Profis, jagen dabei auf historischen Motorrädern und Gokarts durch einen sechs Meter hohen und zwölf Meter breiten Holzzylinder, erreichen dabei bis zu 50 km/h. Dabei geht es richtig rund: Durch die Fliehkraft wirken beim Kurvenfahren und Drehen Beschleunigungen von bis zu 2,5 g auf die Fahrer – also das 2,5-Fache ihres Körpergewichts. Wer etwa 70 Kilogramm wiegt, dessen Körper fühlt sich in diesem Moment an, als würde er 175 Kilogramm wiegen – ein Effekt wie in der Achterbahn.

Pitt’s Todeswand
Typ: Steilwand-Show, Motodrom
Baujahr: 1932
Konstruktion: 6 x 12 Meter hohe Steilwand aus Holz
Motorräder: u. a. Indian Scout 101, Kawasaki, Harley-Davidson, BMW
Besonderheit: Fahrt ohne Sicherungssysteme

Was bedeutet es, 30 Jahre lang an der Steilwand zu leben? Warum steht Jagath Pereras liebstes Motorrad im Wohnzimmer – und wer soll Pitt’s Todeswand eines Tages weiterführen? Die ganze Geschichte lesen Sie im Oktoberfest Magazin 2026. Jetzt im Handel oder direkt hier bestellen.

Noch mehr Fliehkraft auf der Wiesn: Beim Teufelsrad versuchen die Gäste selbst, der Rotation zu trotzen. Elisabeth Polaczy erzählt, wie ihre Familie das älteste Fahrgeschäft des Oktoberfests seit Generationen am Laufen hält.

Pitt's Todeswand auf dem Oktoberfest in München von außen

Seit 1932 gehört Pitt’s Todeswand zur Welt der Steilwandfahrer. Heute führt Jagath Perera die historische Motorsport-Show auf dem Oktoberfest. © Foto: Stefan Pabst


Steilwandfahrer Jagath Perera in Pitt's Todeswand auf dem Oktoberfest

Außergewöhnliche Jobs gibt es viele auf der Wiesn – wohl aber keinen, der gefährlicher ist: Jagath Perera feiert 2026 sein 30-jähriges Jubiläum als Steilwandfahrer. © Foto: Stefan Pabst


Mitarbeiter bei der Wartung eines Motorrads in Pitt's Todeswand

Nicht nur an der Wand ist Präzision gefragt: Die Motorräder von Pitt’s Todeswand werden regelmäßig gewartet und für ihre Einsätze im Höllenkessel vorbereitet. © Foto: Stefan Pabst


Historische Motorräder von Jagath Perera in Pitt's Todeswand

Alles auf Kurs: Drei Maschinen aus Jagath Pereras Fuhrpark warten auf ihren Einsatz. Zu seiner Flotte gehören unter anderem Indian, Harley-Davidson, Kawasaki und BMW. © Foto: Stefan Pabst