Warum dürfen eigentlich nur sechs Brauereien Oktoberfestbier auf der Wiesn ausschenken? Weil das Oktoberfest als Fest des Münchner Bieres eng mit den traditionsreichen Münchner Brauereien verbunden ist. Heute sind es Augustiner, Hacker-Pschorr, Hofbräu, Löwenbräu, Paulaner und Spaten. Gemeinsam stehen sie für eine Bierkultur, die München und das Oktoberfest seit Generationen prägt – und doch schmeckt jedes ihrer Oktoberfestbiere anders.

Bier aus Leidenschaft: Thomas Götz begeistert als „Bierlehrer“ ein internationales Publikum für bayerische Bier- und Wirtshauskultur. Für das Oktoberfest Magazin stellt er die sechs Münchner Oktoberfestbrauereien vor. © Foto:Michael Bögl
Thomas Götz kennt die bayerische Bierkultur nicht aus dem Lehrbuch, sondern aus Leidenschaft. Als „Bierlehrer“ und Initiator des Projekts „Bier zu mir – Community Stammtisch“ erreicht er mit seinen Geschichten über Bier und Wirtshauskultur ein internationales Publikum. Für das Oktoberfest Magazin stellt er die sechs Münchner Oktoberfestbrauereien vor – mit persönlichen Eindrücken, Geschmacksnoten und seinem jeweiligen Wiesn-Highlight.
Die sechs Oktoberfest-Brauereien
Augustiner-Bräu
Hacker-Pschorr
Hofbräu München
Löwenbräu
Paulaner
Spaten
Nur diese sechs Münchner Brauereien dürfen ihr Oktoberfestbier auf der Wiesn ausschenken. „Oktoberfestbier“ ist zudem als geschützte geografische Angabe (g.g.A.) der Europäischen Union geschützt und wird ausschließlich in München gebraut.
Was hinter den gemeinsamen Regeln für Münchner Oktoberfestbier steckt, erklären Andreas Maisberger und Dr. Martin Leibhard in „Mehr als vier Zutaten“ – das Münchner Reinheitsgebot.

Noch leer, aber schon voller Erwartung: In den Masskrügen wartet das Ritual, das die Wiesn seit Generationen prägt. © Foto: Stefan Pabst
Augustiner – Oktoberfestbier aus dem Holzfass
Die Augustiner-Bräu Wagner KG steht für Handwerk und gelebte Tradition. Das Unternehmen braut in der Innenstadt, in direkter Nachbarschaft zur Theresienwiese. Allein die Tatsache, dass das Festbier aus dem Holzfass ausgeschenkt wird, ist ein einzigartiges Qualitätsmerkmal. Sechs große Wiesnzelte schenken das Bier aus dem 200-Liter-Holzfass, dem sogenannten Hirschen, aus. Die Renaissance des Holzfassbieres auch in den Wirtschaften der Stadt nimmt seit Jahren wieder Fahrt auf und belebt die Augustiner-Gaststätten mit dem unverwechselbaren Klang des Anzapfens.
Das Augustiner Oktoberfestbier: Extrem süffig und samtig, und der Holzfassschaum ist wunderschön anzuschauen.
Mein Highlight: Die Logistik und Lagerung der Hirschen im Turm der Augustiner Festhalle.
Warum dieselbe Mass auf der Wiesn anders schmecken kann als zu Hause und was das Holzfass damit zu tun hat, erklären zwei Augustiner-Braumeister in „Das Geheimnis der perfekten Mass“.

Hinter jeder Mass stecken Handwerk, Tempo und Erfahrung – vor allem dann, wenn im Festzelt tausende Gäste gleichzeitig anstoßen wollen. © Foto: Stefan Pabst
Hacker-Pschorr – Holzfass und Himmel der Bayern
Auch das Hacker-Pschorr kann man sich in München zu jeder Zeit aus dem Holzfass zapfen lassen. Die Brauerei setzt auf diese Tradition und bietet den Gästen eine hervorragende Bierpflege, beispielsweise im Der Pschorr am Viktualienmarkt. Im Pschorr-Festzelt Bräurosl kann man das Hacker-Pschorr Oktoberfestbier im neuesten und höchsten Wiesnzelt genießen.
Das Hacker-Pschorr Oktoberfestbier: Mit seiner feinen Malzsüße und dezent herber Note sehr angenehm zu trinken.
Mein Highlight: Das Hacker-Festzelt mit dem längsten Hauptschiff der Wiesn – der Himmel der Bayern!
Wie es in der Bräurosl gelingt, Wiesn-Tradition weiterzuschreiben, erzählt unsere Geschichte „Wo die Wiesn noch Zeit hat“.
Hofbräu – Münchner Bier auf Weltreise
Hofbräu München ist wohl die weltweit bekannteste Brauerei der Stadt. Das staatliche Hofbräuhaus am Platzl ist ein historischer Ort, an den es jeden Besucher Münchens zieht. Mit seiner einzigartigen Atmosphäre und Geschichte hat es die Innenstadt wie kein zweites Gebäude geprägt, wenn es um Münchner Bier geht. Das Hofbräu-Festzelt – übrigens eines der größten der Wiesn mit Stehbereich im Mittelschiff – strahlt diese positive, internationale Atmosphäre aus. Hier herrscht Partystimmung zu jeder Tageszeit.
Das Hofbräu Oktoberfestbier: Ein kräftiges, dunkelgoldenes Bier mit einer extrem frischen und leichten Herbe.
Mein Highlight: Man kann hier nahezu jede Sprache der Welt hören!
Wie weit Münchner Wiesn-Kultur inzwischen reist, erzählen wir in „Exportgut Gemütlichkeit“: Hofbräu Oktoberfestbier wird heute weit über München hinaus ausgeschenkt.
Paulaner – zwischen Nockherberg und Wiesn
Die Paulaner Brauerei Gruppe GmbH & Co. KGaA bietet gleich zwei Münchner Biere unter einem Dach (Paulaner und Hacker-Pschorr). Mit der Gaststätte am Nockherberg und dem Politiker-Derblecken prägt die Brauerei das Münchner Stadtgespräch wie keine andere. Als Partner des FC Bayern München ist Paulaner zudem allgegenwärtig in der Stadt und der Welt des Sports. In insgesamt acht Zelten gibt es das Paulaner Oktoberfestbier. Im Armbrustschützenzelt wird zudem die deutsche Meisterschaft im Armbrustschießen ausgetragen.
Das Paulaner Oktoberfestbier: Perfekt ausgewogen, fein prickelnd und erfrischend zu trinken.
Mein Highlight: Die Zapfanlage im Paulaner Festzelt schafft 15 Liter pro Minute!
Wie viel Arbeit lange vor dem ersten Wiesntag in diesem Bier steckt, erzählt Paulaners 1. Braumeister Christian Dahncke in „Der Mann hinter der Mass“.
Spaten – vom Münchner Hell zum ersten Fass
Dem Spatenbräu (Spaten-Löwenbräu-Gruppe) dürfen wir gleich zweimal dankbar sein. Einerseits unterstützte er Carl von Linde dabei, die erste Kältemaschine zu entwickeln, andererseits erfand er 1894 das Münchner Hell, das bis heute das in München am häufigsten ausgeschenkte untergärige Bier ist. Die Brauerei in der Maxvorstadt ist die Produktionsstätte für das Spaten und das Löwenbräu Oktoberfestbier, das in insgesamt fünf großen Festzelten ausgeschenkt wird.
Das Spaten Oktoberfestbier: Wunderschön hellgoldenes Bier mit feinherber Note und leichten Zitrusakzenten.
Mein Highlight: Das Anzapfen des ersten Fasses im Schottenhamel, dem ältesten Bierzelt der Wiesn, durch den Oberbürgermeister.
Vom Sudhaus bis zur fertigen Mass: In „Na dann, Prost!“ begleiten wir das Spaten Oktoberfestbier auf seinem Weg zur Wiesn.
Löwenbräu – der Löwe, der wieder brüllen darf
Einst hatte der Löwe des Löwenbräu-Festzelts ein Schloss vor dem Maul. Als Kultlöwe darf er aber schon lange wieder brüllen und begrüßt seine Gäste direkt über dem Eingang. Der Bayerische Sportschützenbund richtet das Oktoberfest-Landesschießen im Schützenzelt aus. Den historischen Löwenbräukeller am Stiglmaierplatz, direkt bei der Brauerei, sollte man einmal besucht haben!
Das Löwenbräu Oktoberfestbier: Goldgelb, weich, aber markant mit dezenter Würze.
Mein Highlight: Das Schützenzelt am Fuß der Bavaria – der schönste Platz auf der Theresienwiese.
Warum Schützen und Wiesn seit ihren Anfängen zusammengehören, erzählt „König von Bayern für ein Jahr“. Und dass Löwenbräu auf der Wiesn längst auch ohne Alkohol funktioniert, zeigt unsere Geschichte „Kein Tabu mehr“.
Mit über 450.000 Followern, mehr als 250 Millionen Videoaufrufen und einem Gespür für den Ton der Zeit begeistert Realschullehrer Thomas Götz Menschen auf der ganzen Welt für bayerisches Bier. Sein Projekt „Bier zu mir – Community Stammtisch“ (@bier.zu.mir) verknüpft digitale Reichweite mit klassischer Wirtshauskultur. 2025 wurde Götz vom Bayerischen Brauerbund mit der „Goldenen BierIdee“ für seine Onlinepräsenz als „Bierfluencer“ und Botschafter bayerischer Bier- und Wirtshauskultur auf Instagram, TikTok und YouTube (@bierlehrer) ausgezeichnet.
Instagram: @bavarianbeerworldwide @dabieridahoam
Ich bin weder Brauer noch Biersommelier oder arbeite in der Gastronomie. Als Enthusiast, der die Münchner Bierkultur schätzt und gern Teil davon ist, teile ich hier meine persönlichen Gedanken zu den Münchner Oktoberfest Brauereien und Bieren.

Goldgelb, schaumgekrönt, gemeinschaftsstiftend: Im Festzelt wird aus Bier ein Wiesn-Moment. © Foto: Stefan Pabst