Eine Beziehung für die Ewigkeit

Corinna Binzer im voll besetzten Festzelt auf dem OktoberfestEine Beziehung für die Ewigkeit: Corinna Binzer und ihre Wiesn. © Foto: Corinna Binzer

Die große Liebe muss nicht immer ein Mensch sein. Manchmal ist sie ein Ort, ein Gefühl oder eine Tradition, die einen ein Leben lang begleitet. Für Corinna Binzer ist es die Wiesn. Über eine Beziehung, die seit Kindertagen besteht und bis heute anhält.

Man heiratet einen Menschen – jedenfalls die meisten von uns –, weil man ihn liebt und gerne den Rest seines Lebens mit ihm verbringen möchte. Die Ehe von Therese von Sachsen-Hildburghausen und König Ludwig I. hielt 44 Jahre, bis zu Thereses Tod im Jahr 1854. Dieser Liebe haben wir das heutige Oktoberfest zu verdanken. Gäbe es diese Ehe und somit auch die Wiesn nicht, könnten wir sie auch nicht vermissen. Aber es gibt sie, und darüber bin ich sehr froh.

Mit der Wiesn verhält es sich wie mit Oliven: Entweder man mag sie, oder man mag sie nicht. Da gibt es kein Dazwischen. Und ich mag die Wiesn sehr. Die Wiesn ist so viel mehr als das, als was sie leider viel zu oft in den Medien dargestellt wird. Sie besteht bei Weitem nicht nur aus Kommerz, betrunkenen und raufenden Menschen. Bevor man sich ein Urteil erlaubt, sollte man sie erst einmal kennenlernen. Egal, was andere darüber sagen. Das ist wie in einer Beziehung.

Ein Münchner Kindl und seine Wiesn

Als waschechtes Münchner Kindl durfte ich die Wiesn von klein auf kennen- und lieben lernen. Mit meiner Omi bin ich schon als kleines Mädchen zum Hendl-Essen und Karussellfahren raus. Ja, wir Münchner sagen immer noch „raus“, weil die Theresienwiese ursprünglich mal vor den Toren der Stadt lag. Ich mochte schon damals diese unglaubliche Geräuschkulisse und die verschiedenen wunderbaren Düfte, die einem um die Nase wehten und einen gewaltigen Appetit machten.

Später war es für uns Jugendliche ein absolutes „No-Go“, im Dirndl oder in der Lederhosn in einem Bierzelt zu sitzen. Das war etwas für die „ältere Generation“. Wir hingegen lehnten lässig in Jeans und T-Shirt am Autoscooter und tanzten zur Popmusik.

Corinna Binzer im schwarzen Dirndl im Paulaner Festzelt auf dem Oktoberfest

Die Wiesn gehört für Corinna Binzer bis heute zum Leben dazu.

Wenn die Wiesn langsam wächst

Als Erwachsene lag für mich die Wiesn schon in der Luft, wenn Anfang Juli die ersten Aufbauarbeiten begannen. Oft bin ich bereits da über die Wiesn gebummelt, habe ihr beim Wachsen zugeschaut und dann in der Baukantine ein günstiges Essen inmitten der Arbeiter genossen. Heute ist die Wiesn bis zur Eröffnung nicht mehr frei zugänglich.

Das Oktoberfest ist die größte temporäre Baustelle Europas. Für ein einziges Zelt sind rund 80 bis 100 Lkw-Ladungen erforderlich, es besteht aus bis zu 1,6 Millionen Einzelteilen. Ist das nicht faszinierend? Während des Aufbaus kann man hochinteressante Baustellenführungen buchen und erfährt dabei alles vom Betonieren des Fundaments über unterirdische Bier-Pipelines bis hin zu den unzähligen Glühbirnen am Zelthimmel. Da kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus und kann schon früh eine Beziehung zu „seinem“ Zelt aufbauen.

So habe auch ich mich erneut in die Wiesn verliebt und das wollte ich „ihr“ auch jeden Tag zeigen.

13 Jahre im Löwenbräu-Festzelt

Dreizehn Jahre lang habe ich jeden Tag im Löwenbräu Festzelt bedient. Für mich ging damit ein Kindheitstraum in Erfüllung. Jeden Tag als eine der Ersten das Festgelände betreten, die Standlbesitzer, Lieferanten, Kolleginnen und Schausteller begrüßen und das Gelände erst nach Schankschluss wieder verlassen. Vorher vielleicht noch eine gute Bratwurst als Nachtmahl essen und gebrannte Mandeln als Wegzehrung mitnehmen.

Ich habe keine größeren negativen Erfahrungen gemacht. Und wenn in meinem „Revier“ mal gestritten wurde, habe ich versucht, zu deeskalieren und zu beruhigen. Das gelang ganz gut. Als Bedienung genießt man schon einen gewissen Respekt. Ich habe Menschen aller Couleur bedient, mit ihnen getanzt und gelacht und mich jedes Jahr auf meine Stammgäste gefreut.

Der großen Liebe treu geblieben

Wahrscheinlich könnten Sie sich heute noch von mir Bier, Hendl und andere Schmankerl bringen lassen, wenn mein Rücken nicht „Nein“ sagen würde. Dennoch bin ich wieder jeden Tag auf meiner geliebten Wiesn, denn ich moderiere mittlerweile jeden Abend live aus dem Paulaner Festzelt die Sendung „Wir sind Wiesn“.

So bin ich mit meiner großen Liebe immer noch zusammen und werde ihr ein Leben lang treu sein. In guten wie in schlechten Zeiten.

Corinna Binzer im grauen Dirndl auf dem Oktoberfest

Die Wiesn gehört für Corinna Binzer bis heute zum Leben dazu. © Foto: Alexander Onken

Noch mehr Geschichten über die Menschen, Traditionen, Fahrgeschäfte und Orte der Wiesn lesen Sie im Oktoberfest Magazin 2026. Jetzt im Handel oder direkt hier bestellen.